Die Pfarrhäuser und ihre Gärten haben eine lange Geschichte mit wechselnden Bewohnern, die ein
Leben dort verbrachten oder nur wenige Jahre im Vorübergehen in ihnen lebten, die den Garten
liebten oder gar nicht mochten, die sich von ihn ernährten, ihre Freude daran hatten, ihn
für Bienenstöcke und Rosenzucht nutzten, ihn verwildern ließen oder verpachteten - je nachdem.
Die Geschichte der evangelischen Pfarrgärten beginnt im Jahre 1525 als Martin Luther die Nonne Katharina von
Bora heiratete. Sie setzte Maßstäbe für die Generationen von Pfarrfrauen, die danach kamen.
Wirtschaften musste man können im lutherischen Pfarrhaus, über Jahrhunderte auch landwirtschaften.
In schlechten Zeiten bot der Pfarrgarten eine willkommene Möglichkeit, den Speisezettel zu
bereichern und für den Altarschmuck zu sorgen.
Imkerei, Ostbau und Blumenzucht fanden in der Pfarrerschaft auch in Thüringen viele Liebhaber.
Wer sich einen Pfarrgarten ansieht, lernt immer auch ein Stück Kultur- und Kirchengeschichte
kennen, erfährt von interessanten Lebensgeschichten und bekommt Einblicke in das kirchliche Leben.
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Am 11.08.1793 ist das frühere Pfarramt samt aller Seiten- und Nebengebäude restlos abgebrannt,
leider wurde auch das Archiv ein Opfer der Flammen.
Seit 1525 waren insgesamt 35 Pfarrer in unserer Gemeinde tätig
(Opfr. Johannes Dittrich ist seit 1978 im Amt).
Am Ende des leicht geschwungenen, nach oben führenden Weges zum Pfarrhof steht am Eingang unmittelbar
östlich vom Pfarrhaus eine überragende Schwarzkiefer.
Das 1794 gebaute Fachwerkensemble aus einladendem Pfarrhaus, mit Weinstöcken an der Fassade,
restaurierter Scheune und Stall, Wagenremise und ehemaliger Bedienstetenwohnung birgt einen umfriedeten
Innenhof.
Der Pfarrhof wurde 2003 umgestaltet.
In friedlichen Zeiten wie diesen steht das Eingangstor offen, und Sitzplätze laden zum Verweilen ein,
Besucher sind jederzeit willkommen.
Alte Kalksteine und gesammelte Feldsteine wechseln sich im Pflaster ab, im Hof stehen
ein Ginkgobaum an der Sitzecke und eine Hängebirke an dem kleinen Hofteich mit Wasserpflanzen
und Goldfischen.
Der Durchschuß einer Flintenkugel wurde aus dem alten Tor herausgeschnitten und in das neue eingesetzt.
Er erinnert an die Schreckensnacht vom 10. Oktober 1806. In dieser Nacht versetzten marodierende
napoleonische Soldaten Linda in Angst und Schrecken, erzwangen den Zugang zum Pfarrhof, bemächtigten
sich der Barschaft des Geistlichen. Anschließend beraubten sie den Wirt.
Aus Anlass der 700 Jahrfeier des Ortes wurde in diesem Jahr die so genannte Schreckensnacht von Linda
nachgestellt. "Der Franzosenschuss" ist ein Drama in 5 Aufzügen.
Von Lainspielern unter der
Regie von Ortspfr. Johannes Dittrich wurde es in der Kirche zu Linda aufgeführt.
Der obere Garten des ingesamt 8700 Quadratmeter großen Geländes ist heute in etwa so hergerichtet,
wie ihn alt gewordene Gemeindeglieder noch in Erinnnerung hatten. Drei durch kleine Mäuerchen
gestützte Terassen, Grabland für Gemüse und Blumen, der alte Springbrunnen durch Flieder eingerahmt
und mit Klinker gefaßte Wege.
Der alte Pavillon war nicht mehr zu retten, an seiner Stelle steht eine Linde.
Die vielen Laubbäume, unter anderem Hainbuchen (südöstlich) und gelegentlich ein steinerner
Puttenengel, geben dem ganzen einen parkartigen Charakter.
Desweiteren wurde 2003 unterhalb der Parkanlage ein kleiner Parkplatz mit Carport errichtet.
Der untere Garten, der zum Dorf hin abfällt, ist zu einem großen Teil Obstwiese. Im nordwestlichen
Gartenbereich bestimmt ein herzförmiger Teich die Szene. An seinem Rand stehen Stil-Eichen,
Birken, Schwarzer Holunder, Gewöhnliche Vogelbeere, Gewöhnliche Hasel, Weißdorn, Vogelkirsche und die
alles überragende Esche am Fuß des Teichdammes.
In den 90er Jahren erhielt der Garten einen Pavillon.
Die Weitläufigkeit des Gartens und die himmelstürmende Größe der Bäume sind überwältigend.
Man sieht Haus, Hof und Garten an, dass die Pfarrleute mit ihren beiden erwachsenen Söhnen hier gerne
leben und tatkräftig wirken bei allen pfarramtlichen und dienstlichen Verpflichtungen.
Allein hätten sie allerdings wenig zu Stande bringen können. Einsatzfreudige Dorfbewohner,
fleißige und handwerkliche ABM-Kräfte mit Sachkostenzuschuss, "Ein-Euro-Jober", großzügige
Spender und ein hilfreiches Kreiskirchenamt haben es möglich gemacht, dass man heute keine Fantasie
mehr braucht, um den Charme des Ensembles zu erkennen.
"An diesem schönen Pfarrhaus vorüberzuwandern, das gibt einen Hauch von Sehnsucht und Heimweh, von
Sehnsucht und Stille, Ruhe und Bürgertum, Heimweh und guten Betten, Gartenbank und Düften einer
feinen Küche, dazu auch nach Studienzimmer, Tabak und alten Büchern.....
Ich habe mich an den Brunnen gelehnt und das Pfarrhaus abgezeichnet, mit der grünen Tür, die mir
eigentlich von allem am besten gefällt, und mit dem Kirchturm dahinter.
Es ist möglich, dass ich die Tür grüner gemacht habe als sie ist, und den Kirchturm in die Länge
gezogen. Ich werde nach diesem Pfarrhaus, das ich nur von außen sah und in dem ich keinen
Menschen kenne, einmal Heimweh haben wie nach einer richtigen Heimat, wie nach den Orten, an
denen ich ein Kind und glücklich war."
(nach H. Hesse, stark gekürzt)
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